Rückwärtsrolle

Taucher kippt rückwärts vom Wulst eines Schlauchbootes ins Wasser, eine Hand an Maske und Atemregler, die Flossen ragen noch über die Bordwand.

Die Rückwärtsrolle ist der Einstieg ins Wasser, bei dem der Taucher auf dem Bootsrand sitzt und sich rückwärts über die Schulter abrollt. Sie ist die Standardmethode auf Schlauchbooten und kleinen Tauchbooten — überall dort, wo die Bordwand niedrig und die Plattform zu wacklig für einen Schritt ist.

Wann sie gewählt wird — und wann nicht

Das Dive Training Magazine nennt den Anlass: „Many times dives are from a small boat or an inflatable boat without an entry/exit platform“, und: „This skill is especially useful when a giant stride entry is not possible.“ Scuba Diver Life beschreibt das Kriterium als Doppelbedingung — sie sei die vorzuziehende Art, ins Wasser zu kommen, besonders von Festrumpfschlauchbooten „or any other small craft whose gunwale is both close to the water and not particularly stable“. Nicht nur niedrig also, sondern auch instabil.

Umgekehrt gilt sie von hohen Hartbooten als unangebracht: „You can use the back roll entry method from a larger hard boat, but usually the sides of the boat are too high from the water. This can make this type of water entry unsafe from a high sided boat.“ Dort ist der Ausfallschritt die passende Wahl — er ist, wie Scuba Diver Life schreibt, „the perfect choice when entering deep water from a stable platform“. Das deutsche Magazin TAUCHEN ordnet dasselbe zu: „Die Rückwärtsrolle stellt selbtsverständlich den klassischen Einstieg dar. … Sie wird in den meisten Fällen praktiziert“, während taucher.de notiert: „Bei einem Schlauchboot setzt man sich auf den Wulst und gleitet durch eine Rolle rückwärts ins Wasser. … Der Einstieg erfolgt von einem Tauchboot in der Regel durch einen großen Ausfallschritt.“

Der Ablauf

Die Grundfolge ist überall dieselbe; in Einzelheiten weichen die Darstellungen voneinander ab — bei einer Fertigkeit, die jeder Verband ein wenig anders lehrt, ist das zu erwarten.

Sitzen. Der Taucher setzt sich auf den Wulst oder die Bordwand, den Rücken zum Wasser, und rutscht so weit zurück, dass die Flasche über den Rand hinausragt: „Slide your body back so that you are seated near or slightly over the outer edge of the boat’s gunwale or pontoon.“ TAUCHEN beschreibt denselben Schritt knapp: „Die Tauchflasche wird nun über die Gummiwulst geschoben.“

Jacket. Hier gehen die Quellen auseinander, und zwar erheblich. Dive Training nennt „partially inflate your buoyancy compensator“, Scuba Diver Life „inflate your BCD halfway, so that you’ll be positively buoyant upon entering the water“, TAUCHEN schlicht „Etwas Luft ins Jacket.“ SSI dagegen empfiehlt ein weitgehend gefülltes Jacket: „Do this with a mostly full BCD to soften the blow but allow you to be positively buoyant on the surface.“ Und ein Tauchblog weist auf die Gegenrichtung hin: aufblasen oder ablassen, je nachdem, ob ein positiver oder ein negativer Einstieg verlangt ist. Gemeinsam ist allen die Absicht — nach dem Eintauchen soll der Taucher von selbst nach oben kommen.

Freigabe. Erst wenn hinter dem Boot frei ist, wird gerollt. TAUCHEN: „Dann kommuniziert man mit dem Bootsführer, ob der Einstieg hinter einem frei ist und ob der Zeitpunkt gerade günstig ist.“ Englische Darstellungen formulieren es als Kommando: auf das „go“ des Bootsführers oder auf den Countdown des Kapitäns.

Hände. Die Quellen sind sich einig, dass eine Hand Maske und Atemregler hält — wohin die zweite gehört, beantworten sie unterschiedlich. Dive Training: eine Hand auf Maske und Automat, die andere „on the back of the head to secure the mask strap“. Scuba Diver Life legt die rechte Handfläche auf den Automaten und die Finger derselben Hand an die Maske, die linke über das Maskenband am Hinterkopf. Scuba.com dreht die Seiten: linke Hand am Automaten, „with your right hand, hold the back of your head; this prevents your skull from smacking into the first stage regulator“. SSI nennt eine vierte Variante: „Holding your weight belt with your left hand, and with your mask and regulator held in place with your right palm, you fall backwards into the water.“ Und mehrere Darstellungen verlangen die zweite Hand für die Instrumente — den Oktopus und alles, was sich verfangen kann. TAUCHEN warnt vor genau diesem Fehler: „Es wäre ungünstig, wenn sich ein Finimeter irgendwo verheddert, wenn man von Bord kippt.“

Kinn und Beine. Das Kinn kommt auf die Brust, damit der Kopf nicht gegen Ventil oder erste Stufe schlägt — darin stimmen alle Quellen überein. Die Beine bleiben geschlossen: „Keep your feet and knees together as you gently lean backward, rolling into the water“, mit der Variante, die Fußgelenke zu kreuzen. TAUCHEN nennt den Grund für die geschlossenen Beine so unmissverständlich, wie er in der Praxis zutrifft: „Mit gespreizten Beinen läuft man Gefahr, seinen Nachbarn uncharmant abzuräumen.“

Abrollen ohne Kraft. Das ist der Punkt, an dem die meisten Anfänger zu viel tun: „There is no need to forcefully flip into the water; just leaning backward will get the job done.“ Scuba Diving Magazine: „Tuck your chin, lean back and let gravity do the rest!“

Danach. Auftauchen, orientieren, Maskenband kontrollieren, dem Tauchführer das OK-Zeichen geben und die Einstiegsstelle verlassen. Der letzte Schritt ist kein Komfort, sondern Sicherheit: „Hanging out beside the dive boat while others are still entering the water increases your chances of having someone backroll onto you.“

Was dabei schiefgeht

Ein Tauchblog fasst drei Fehler in einem Satz zusammen: „During backroll entries, we’ve seen many-a-diver lose their mask, bash their legs on the side of the dive boat and even land on top of another unsuspecting person.“ Der Maskenverlust hat meist eine Ursache: zu kräftiges Abrollen. Scuba Diver Life schildert es als eigene Erfahrung — „I forcefully flipped into the water and did an awkward underwater somersault. My mask slipped off“ — und erklärt den Mechanismus: Wer sich aktiv nach hinten wirft, überschlägt sich, die Beine rollen über den Kopf weiter.

Dazu kommt der Anprall des Kopfes gegen Ventil oder erste Stufe, gegen den das Kinn auf der Brust schützt, und das Verfangen von Instrumenten und Schläuchen. Das Blei gehört während der Bootsfahrt nicht am Körper, wenn die Flossen nicht an den Füßen sind — TAUCHEN sagt es ausdrücklich: „Blei niemals während der Bootsfahrt tragen, wenn man keine Flossen an hat.“ Der dazu passende Griff, der Buddy-Check, findet vorher statt, nicht auf dem Wulst.

Als Tauchlehrer lasse ich die Rolle dort, wo es geht, im Paar gehen. TAUCHEN beschreibt genau diesen Griff: „Am besten sitzt man sich gegenüber und fällt dann auf ein gemeinsames Zeichen als Buddyteam ins Wasser. So wird verhindert, dass sich das Boot sich stark zu einer Seite neigt.“ Das löst zwei Probleme auf einmal — das Boot bleibt ruhig, und niemand rollt dem anderen hinterher.

Eine Alternative nennt dasselbe Magazin für enge Verhältnisse und ruhige Oberfläche: das Jacket zuerst ins Wasser gleiten lassen und hinterher einsteigen. „Wer mit Rückenproblemen kämpft, wird diese Methode ohnehin befürworten.“ Geräuscharm ist sie dazu — nützlich, wenn scheue Tiere nicht verscheucht werden sollen.

Häufige Fragen

Wie tief muss das Wasser für eine Rückwärtsrolle sein?
Eine Zahl dazu nennen weder Dive Training noch Scuba Diver Life, SSI oder das Magazin TAUCHEN. Qualitativ gilt die Rolle sogar als die Methode für flaches Wasser: Sie sei ideal, wenn Taucher in geringe Wassertiefe einsteigen müssten oder das Boot niedrig über der Oberfläche liege. Der Grund liegt auf der Hand — beim Abrollen fällt der Taucher aus geringer Höhe und taucht flach ein, während der Ausfallschritt von einer hohen Plattform tiefer einsticht.
Jacket voll oder nur halb aufgeblasen?
Das beantworten die Quellen verschieden. SSI empfiehlt ein weitgehend gefülltes Jacket, um den Aufprall zu dämpfen; Dive Training und Scuba Diver Life nennen halb oder teilweise aufgeblasen; das Magazin TAUCHEN sagt „Etwas Luft ins Jacket“. Einig sind sich alle im Ziel: positiver Auftrieb an der Oberfläche. Ausnahme ist der verabredete negative Einstieg, bei dem bewusst Luft abgelassen wird.
Welche Hand hält was?
Eine Hand sichert Maske und Atemregler — darin stimmen alle Darstellungen überein. Für die zweite Hand nennen sie vier verschiedene Aufgaben: den Hinterkopf samt Maskenband, den Bleigurt, die Instrumente gegen Verfangen oder einfach die lose Ausrüstung. Welche Seite dabei welche Aufgabe übernimmt, wechselt von Quelle zu Quelle. Wer in einer Ausbildung steht, folgt der Fassung seines Verbands; wichtig ist, dass Maske und Automat fest sitzen und nichts frei herumhängt.

Quellen

Zur Quellenlage: Zur Rückwärtsrolle liegt keine Norm und kein Verbandsstandard im Wortlaut vor; tragend sind Fachmagazine, ein SSI-Blogbeitrag und für den deutschen Wortlaut das Magazin TAUCHEN. Eine Mindestwassertiefe nennt keine dieser Fundstellen. Eine Verletzungsstatistik, die Ein- und Ausstieg vom Boot getrennt ausweist, liegt ebenfalls nicht vor — die DAN-Jahresberichte schlüsseln nicht danach auf. Eine Belastung von Hals- oder Nackenwirbelsäule wird in keiner Quelle als eigenes Risiko benannt; belegt ist nur der mechanische Anprall des Kopfes gegen Ventil oder erste Stufe. Fundstellen von PADI, SDI/TDI und VDST zur Rückwärtsrolle sind nicht auffindbar.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.